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Mitgliedertreffen vom 9. November 2008: Protokoll
Wie in
den letzten Jahren üblich, trafen wir uns im Cafe Holler im Hildegard
Hospiz in Basel zum gemeinsamen
Mittagessen.
Um 14
Uhr begrüsst unsere Präsidentin, Marthy Schleiffer, die 22 anwesenden
Mitglieder mit folgenden Worten:
«Liebe
Elisabeth Kübler-Ross Freunde,
Als
erstes möchte ich euch ganz herzlich begrüssen zu unserem jährlichen
Beisammensein. Ebenfalls begrüssen möchte ich den Hospizarzt, Herrn Dr.
Kabilca und danken für den wiederum herzlichen Empfang. Wir schätzen
eure Ambiance und die liebevolle Begrüssung und Pausen-Betreuung von
Frau Buser.
Für die
alljährliche kunstvolle Dekoration und die herrlich mundenden
Süssigkeiten danke ich Lo ganz herzlich!
Dass
ich heute unter euch sein kann, ist nicht zufällig.
Ich
hatte am 28. August 2008 eine Notfall-Rückenoperation
(Bandscheibendefekt zwischen den Lendenwirbeln 4/5), welche mich bis
Ende Jahr handlungsunfähig macht.
Als ich
nach zwei Wochen das Spital verlassen konnte, überraschte mich ein
kleiner Briefumschlag mit den besten Wünschen von Peter Bacher. In
diesem Umschlag befand sich ein Kugelschreiber mit einem aufgedruckten
Namen: Elisabeth Kübler-Ross. Da wusste ich, dass ich über meine
Leidensgeschichte etwas erzählen sollte.
Wer
mich kennt weiss, dass ich eher zu den aktiven, zwirbligen Menschen
gehöre. Ich litt zuvor weder an Rückenschmerzen noch hatte ich andere
Beschwerden. Wie jedes Jahr assistierte ich vom 11. bis 16. August bei
Ginnys Trainingsseminar über «Gewalt und sexuelle Ausbeutung», zuerst in
Biel, dann in Engelberg. Der Kurs verlief gut und ohne Zwischenfall,
einzig, dass ich in Engelberg erstmals Kreuzschmerzen hatte. Andy,
Ginnys Ehemann, zeigte mir einige Yoga-Übungen, die etwas den Schmerz
eindämmten. Als ich am Samstag nach Hause kam, war alles noch gut,
hingegen am Sonntagabend konnte ich nicht mehr gehen. Da ich keinen
Hausarzt habe, ausser meinem tibetischen Arzt in Glarus, mussten wir den
Notfallarzt konsultieren und er kam nach Hause.
Ich
bekam Schmerztabletten und er tippte auf eine heftige Entzündung. Da die
Schmerzen nicht nachliessen, bekam ich zusätzlich ein Morphinpräparat.
Nach drei Tagen unerträglicher Schmerzen ging ich zum Chiropraktiker in
der Meinung, man könnte mir den eingeklemmten Nerv wieder befreien.
Dieser Chiropraktiker jedoch meldete mich sogleich als Notfall für ein
MRI («Röhre») an und dort stellte man fest,
dass die Bandscheibe zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel
beidseitig angebrochen war und man sofort operieren musste. Nach elf
schmerzvollen Tagen wurde ich operiert. Die Operation verlief gut, doch
am dritten Tag kamen diese unglaublichen Schmerzen zurück. Sämtliche
Schmerz- und Morphinmittel brachten keine Beruhigung. Nach drei
schlaflosen Nächten und Schmerzen, die mich fast zum Wahnsinn trieben,
bekam ich am vierten Tag ein Anti-Epileptikum namens «Tegretol 200» von
Novartis, das meine Nerven, welche die linksseitigen Schmerzen
verursachten, lahm legen sollte. Nach zwei Wochen Leidensweg bin ich ein
neuer Mensch geworden. Eine derart kleine Pille kann das Leben von heute
auf morgen total verändern, allerdings mit gravierenden Nebenwirkungen.
Als ich
dann diesen Kugelschreiber von Elisabeth Kübler-Ross erhielt, war mir
klar: «Ich muss darüber berichten.» Wie ihr wisst, habe ich mich im
letzten Newsletter ganz intensiv mit der Vereinigung Schweizer
Schmerzpatienten VSP auseinander gesetzt. Warum wohl?
Es war
mir bekannt, dass Elisabeth am Ende ihres Lebens schreckliche
Armschmerzen zu ertragen hatte. Ich wusste, dass es ihr Anliegen war,
den Menschen zu helfen, schmerzfrei zu werden. Sie sagte oft in ihren
Vorträgen: «Es nützt nichts, den Patienten schöne Worte mitzuteilen und
sie können es nicht hören, weil sie vom Schmerz absorbiert sind.»
Ist es
ein Zufall, dass ich mich ein halbes Jahr zuvor mit dem VSP
auseinandersetzte?
Nein
sicher nicht, aber heute weiss ich, was Nervenschmerzen sind, weil ich
sie am eigenen Leib erfahren musste. Ich hoffe und wünsche, dass viele
Menschen diese Schmerzen nicht durchmachen müssen und Hilfe bekommen
werden. Es war für mich eine der schmerzhaftesten Erlebnisse, aber auch
eine hoffnungsvolle Zeit, dass unerträgliche Schmerzen gelindert werden
können».
Bevor
Marthy in ihren Ausführungen weiterfährt, gibt sie alle Entschuldigungen
bekannt und lässt alle ganz herzlich von Marianne New aus Amerika
grüssen.
Sie
fährt mit den Worten fort: «Ich muss euch zudem eine traurige Mitteilung
machen. Für all diejenigen, die Beth Weiner bei Workshops kennen gelernt
haben: sie ist am 13.Oktober 2008 bei einem Autounfall in ihrem 84.
Altersjahr ums Leben gekommen. Sie war jahrelang die erste Assistentin
von Elisabeth. Wir gedenken ihrer mit Liebe und Würde.»
(Dieter
wird uns zu ihrem Gedenken das Lied anstimmen «So nimm denn meine
Hände»)
Und nun
werden uns Thomas und Dieter ihre neue Solothurner EKR-Gruppe und soeben
gegründete Hospiz-Gruppe vorstellen.
Anschliessend werden wir einen Kurzfilm, ein Gespräch von Ingo Hermann
mit Elisabeth 1986 hören und sehen «Sterben lernen, leben lernen».
Da ich dieses DVD schon zweimal gesehen habe, werde ich die Gelegenheit
benützen, um mich zu bewegen.»
Thomas
erwähnt eingangs, bei der Vorstellung der Hospizgruppe Solothurn, dass
diese ähnliche Strukturen mit Ritualen wie die Bielergruppe aufweise.
Die Solothurner Hospizgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, Wegbegleiter für
Sterbende, Trauernde und Angehörige zu sein. Die Gruppe besteht
gegenwärtig aus sieben Frauen und Männern, welche ehrenamtlich tätig und
in der Trauer und Sterbebegleitung ausgebildet sind. Im Sinne von
Elisabeth, versuchen sie, Menschen in schweren Stunden nahe zu sein,
ihre Gefühle zu verstehen, ihre Ängste und Sorgen ernst zu nehmen,
Angehörige zu entlasten und ein Sterben in Würde zu ermöglichen. Die
Gruppe ist mit den Spitälern von Solothurn und Grenchen sowie mit der
Spitex vernetzt.
Anschliessend an den DVD-Film «Gespräche mit Elisabeth» vom Jahr 1986,
der nach Ansicht vieler von ihrer Aktualität nichts eingebüsst habe,
leitet Jean-Jacques in gewohnt souveräner und zurückhaltender Art die
traditionelle Runde ein. Von der Möglichkeit in der Runde zu teilen,
wird rege Gebrauch gemacht. Es ist immer wieder eindrücklich zu
erfahren, wie bei den meisten die Person von Elisabeth – oder ihre
Botschaft – ihr Leben berührt, geprägt und verändert hat.
Lo
schenkt Marthy zum Schluss des Treffens im Namen des Vorstandes eine
Schatulle mit symbolischen Genesungswünschen.
Marthy
dankt am Ende der Zusammenkunft noch einmal Herrn Dr. Kabialca und Frau
Buser für die Gastfreundschaft und Lo für die bereiteten Gaumenfreuden,
die Dekoration und ihr Geschenk und wünscht allen eine gute Heimkehr.
Für das
Protokoll: Richy Fux, Vizepräsident.
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