Schmerzbekämpfung bei schwerkranken Patienten
von
Dr.Elisabeth Kübler-Ross empfohlene Methode,
für
die Schweiz adaptiert von Dr. Martin Eisner
Mitmenschliche
Betreuung und körperliche Pflege von Schwerkranken sind zwei Grundpfeiler
der Sterbebegleitung im Sinne von Elisabeth Kübler-Ross. Dazu gehört ganz
besonders auch die Behandlung von Schmerzen. Denn die Lebensqualität von
kranken Menschen wird wesentlich verbessert, wenn sie keine Schmerzen
haben.
Das Prinzip der Schmerzbehandlung
Jeder
Patient mit dauernden Schmerzen erhält soviel und so häufig ein
wirksames Schmerzmittel, dass er weitgehend schmerzfrei ist. Der
Unterschied zur Behandlung anfallsweise auftretender Schmerzen besteht
darin, dass man die Schmerzen gar nie erst entstehen lässt, sondern die nächste
Dosis verabreicht, bevor die Wirkung des zuletzt eingenommenen
Schmerzmittels abgeklungen ist.
Psychologische Aspekte chronischer Schmerzen
Chronische
Schmerzen, vor allem, wenn sie verursacht werden durch eine bösartige und
vermutlich unheilbare Krankheit, sind immer begleitet von starken
negativen Gefühlen: Angst, Verzweiflung, Wut, Trauer, und von dem Gefühl
das Alleingelassenseins.
Es
genügt also nicht, dem Patienten Schmerzmittel zu verabreichen, ohne auf
diese negativen Gefühle Rücksicht zu nehmen und den Patienten in diesem
schmerzhaften Prozess zu begleiten.
Sterbebegleitung
ist aber vollkommen sinnlos bei einem Patienten, der unter starken
Schmerzen leidet.
Medikamentöse Schmerzbehandlung
Jeder
Mensch spricht anders an auf Schmerzmittel. Man muss also ausprobieren,
welches Mittel am besten hilft. Oft wirken auch Kombinationen von zwei
oder drei Schmerzmitteln.
Wie geht man vor?
Der
moderne Stufenplan geht davon aus, dass der Patient mit dem schwächsten
Schmerzmittel beginnt und stufenweise mehr und stärkere Schmerzmittel
einnimmt, bis die Schmerzen nachlassen. Das Ziel der Behandlung ist die
Schmerzfreiheit, egal mit welchem Mittel und mit welcher Dosis.
Hat
ein Patient schon längere Zeit Schmerzen - was nicht vorkommen sollte -
so geben wir von Anfang an ein starkes Schmerzmittel, meistens Morphin.
Morphin
und Morphin-ähnliche Schmerzmittel sind die stärksten Medikamente zur
Behandlung von Schmerzen. Wir zögern nie, es zu geben, wenn es zur
Behandlung von Krebspatienten und anderen schwerkranken Menschen nötig
ist.
Moderne medikamentöse Behandlung
von langandauernden Schmerzen
MST-CONTINUS®
oder DUROGESIC
TTS®
Spritzen
gegen Schmerzen sind sehr wirkungsvoll, aber sind ausschließlich für plötzlich
auftretende sehr starke Schmerzen geeignet.
Bei
andauernden oder allmählich stärker
werdenden Schmerzen geben wir Morphin
oder Fentanyl als Tabletten oder Pflaster. Am besten
eignen sich bei den meisten Patienten MST-CONTINUS®
Tabletten oder Durogesic-pflaster,
da sie eine langanhaltende Wirkung haben.
Sucht und Abhängigkeit
Die
Gefahr von Sucht und Abhängigkeit ist erfahrungsgemäß bei schwerkranken
Patienten extrem klein.
Nebenwirkungen nimmt man in Kauf und behandelt diese mit entsprechenden
Medikamenten (vor allem Verstopfung, selten Übelkeit und Brechreiz).
Wieviel Schmerzmittel ?
Die
Dosis richtet sich nach der Wirkung und der Intensität der Schmerzen.
Nach dem Stufenplan beginnt man mit einem einfachen Schmerzmittel: Panadol®,
Spasmo-Cibalgin® u.a. Wenn die Schmerzen nicht rasch nachlassen, erhöht
man die Dosis oder wechselt zu einem stärkeren Schmerzmittel. Ist der
Patient schmerzfrei, so kann man die Dosis reduzieren, aber nur langsam
und ohne zu riskieren, dass der Patient wiederum Schmerzen bekommt.
Bei starken Schmerzmitteln schläft der Patient möglicherweise in den
ersten Tagen. Das ist kein Zeichen für Überdosierung. Wahrscheinlich ist
der Patient durch die langanhaltende Krankheit erschöpft, und braucht
Ruhe.
Im Verlaufe der weiteren Behandlung kann gelegentlich die Dosis
stufenweise reduziert werden, und manchmal genügt dann auch ein
Nicht-Morphin-haltiges Schmerzmittel.
MSD CONTINUS®
MST-CONTINUS®
gibt es in verschiedenen Stärken: von 10mg bis 200mg pro Tablette
Patienten, die keine Tabletten einnehmen können, können Morphin in Form
von Suppositorien (SEVREDOL® 10 oder 30mg) erhalten. Dieses muss etwa
alle 4 Stunden verabreicht werden.
Welche Dosis und wie häufig soll man Morphin geben?
Bei
Krebspatienten in Spezialkliniken ist die mittlere Tagesdosis von Morphin
200mg. Andere Patienten kommen mit 30mg pro Tag aus, manchmal braucht ein
Patient über 1000 mg. Es ist ungefährlich, so hohe Dosen zu geben, wenn
es nötig ist.
Ob der Patient 2mal, 3mal oder mehrmals täglich eine Schmerzmitteldosis
benötigt, hängt von der Wirkungsdauer ab. Die Wirkungsdauer ist von
Patient zu Patient verschieden und hängt auch ab vom Krankheitsgeschehen.
Auf jeden Fall erfolgt die nächste Schmerzmittelgabe bevor die Wirkung
der vorangegangenen Dosis aufhört.
Mit MST-CONTINUS® im allgemeinen 12 Stunden, manchmal alle 8 Stunden.
Andere Schmerzmittel, auch Morphintropfen und SEVREDOL® Suppositorien
wirken 3 bis 6 Stunden. Entsprechend häufiger muss der Patient
Schmerzmittel einnehmen.
DUROGESIC TTS®
DUROGESIC
TTS® ist das erste transdermale System für die Behandlung von
chronischen Schmerzen. Mit einer Wirkdauer von 72 Stunden bewirkt das
Pflaster eine kontinuierliche Schmerzlinderung, wie es bei Tumorschmerzen
erforderlich ist.
Der Wirkstoff von DUROGESIC TTS® ist Fentanyl, ein stark wirksames Opoid.
DUROGESIC
TTS® gibt es in verschiedenen Dosierungen, die der Schmerzintensität
angepasst werden können.
Die
Durogesicpflaster (ähnlich wie Estraderm oder Nitroderm) werden an
wechselnden Stellen auf die Haut geklebt. Die Wirkung tritt langsam ein
und erreicht erst nach etwa 24 Stunden das Maximum. Wenn man das Pflaster
alle 2 bis 3 Tage wechselt, bleibt die Wirkung über lange Zeit konstant.
Fentanyl,
der Wirkstoff in DUROGESIC TTS® ist ein starkes Schmerzmittel, etwa 100
mal so wirksam wie Morphin. Es ist ein Betäubungsmittel und kann nur vom
Arzt mit entsprechendem Rezept verordnet werden.
Der
Vorteil von DUROGESIC TTS® gegenüber MSD CONTINUS® besteht in der noch
gleichmässigeren Wirkung auf die Schmerzen. Es treten auch seltener
Verstopfung und Übelkeit auf. Der Nachteil gegenüber MSD CONTINUS®
besteht darin, dass die Wirkung sehr langsam eintritt und sich die
Dosierungen nicht so schnell ändern lassen.
Die
hier beschriebene Schmerztherapie ist in der Schweiz anerkannt. Sie muss
vom Arzt verordnet und durchgeführt werden. Bitte besprechen Sie dies mit
Ihrem Hausarzt.
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