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Dr. Elisabeth Kübler-Ross' Schmerzmittelbrief
Akute Schmerzbekämpfung bei schwerkranken Patienten


Dr. Elisabeth Kübler-Ross hat sich – wie man weiss – zeitlebens eingesetzt dafür, dass Schwerkranke ohne Schmerzen leben können. Sie hat dazu einen Schmerzmittelbrief verfasst, der auf der ganzen Welt verbreitet war.

Unsere Empfehlungen zur Behandlung von Schmerzen sind auf diesem Schmerzmittelbrief aufgebaut. Er ist auf den neusten Stand (2009) gebracht und schweizerischen Verhältnissen angepasst.

Wir informieren über die heute optimale Schmerzbehandlung. Es ist eine Information. Die Behandlung kann und darf nur von Ihrem Arzt durchgeführt werden. 

Mitmenschliche Betreuung und körperliche Pflege von Schwerkranken sind zwei Grundpfeiler der Sterbebegleitung im Sinne von Elisabeth Kübler-Ross. Dazu gehört ganz besonders auch die Behandlung von Schmerzen. Denn die Lebensqualität von kranken Menschen wird wesentlich verbessert, wenn sie keine Schmerzen haben.


Psychologische Aspekte chronischer Schmerzen
 

Das Schmerzerleben wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Neben dem Körperempfinden (spüren) spielen Psyche (fühlen), soziale Belange (interagieren) und spirituell-religiöse Einstellungen (Glauben) eine zusätzliche Rolle. Es ist wichtig, den Betroffenen in seiner Gesamtheit mit all seinen Bedürfnissen zu begreifen und dementsprechend zu behandeln. 

Chronische Schmerzen, vor allem, wenn sie verursacht werden durch eine bösartige und vermutlich unheilbare Krankheit, sind immer begleitet von starken negativen Gefühlen: Angst, Verzweiflung, Wut, Trauer, und von dem Gefühl das Alleingelassenseins.

Es genügt also nicht, dem Patienten Schmerzmittel zu verabreichen, ohne auf diese negativen Gefühle Rücksicht zu nehmen und den Patienten in diesem schmerzhaften Prozess zu begleiten.

Die Schmerzkontrolle kommt an erster Stelle in der Sterbebegleitung. 


Das Prinzip der Schmerzbehandlung
 

Jeder Patient mit dauernden Schmerzen erhält soviel und so häufig ein wirksames Schmerzmittel, dass er weitgehend schmerzfrei ist. Der Unterschied zur Behandlung anfallsweise auftretender Schmerzen besteht darin, dass man die Schmerzen gar nie erst entstehen lässt, sondern die nächste Dosis verabreicht, bevor die Wirkung des zuletzt eingenommenen Schmerzmittels abgeklungen ist.


Medikamentöse Schmerzbehandlung
 

In der modernen Palliativmedizin wird das Drei-Stufen-Schema nach WHO angewendet.

Wie geht man vor?

Bei allmählich aufkommenden Schmerzen folgen wir dem Stufenplan:

Der moderne Stufenplan geht davon aus, dass der Patient zuerst ein schwaches Schmerzmittel erhält und stufenweise mehr und stärkere Schmerzmittel einnimmt, bis die Schmerzen nachlassen. Das Ziel der Behandlung ist die Schmerzfreiheit, egal mit welchem Mittel und mit welcher Dosis unter Beachtung und Vermeidung der Nebenwirkungen.

Jeder Mensch spricht anders an auf Schmerzmittel. Man muss also ausprobieren, welches Mittel am besten hilft. Oft wirken auch Kombinationen von zwei oder drei Schmerzmitteln.

Morphin und Morphin-ähnliche Schmerzmittel sind die stärksten Medikamente zur Behandlung von Schmerzen. Wir zögern nie, sie zu geben, wenn es zur Behandlung von schwerkranken Menschen nötig ist.

Wieviel Schmerzmittel ? 

Die Dosis richtet sich nach der Wirkung und der Intensität der Schmerzen.
Nach dem Stufenplan beginnt man mit einem einfachen Schmerzmittel: z.B. Paracetamol, Diclofenac, die unter verschiedenen Namen und Kombinationen erhältlich sind.
Bei ungenügender Wirkung, also bei Fortdauer der Schmerzen, erfolgt die Dosisanpassung des gleichen Medikaments unter Ausschöpfung der Höchstdosis. Wenn nötig erfolgt der Übergang auf die nächste Therapiestufe mit stärkeren Schmerzmitteln (z.B. Tramadol).

Bei andauernden Schmerzen geben wir Opiate (z.B. Morphin, Hydromorphon) in Tabletten- oder Tropfenform (MST continus / Jurnista) oder auch als Suppositorien (Sevredol).
Geeignet sind auch Pflaster, (Fentanyl/Durogesic), die, auf die Haut geklebt, innerhalb einer Zeitdauer von 72 Stunden regelmässige Schmerzlinderung bringen.


Wenn Patienten schon starke Schmerzen haben, ist es am besten, gleich mit Morphin zu behandeln


Spritzen gegen Schmerzen sind sehr wirkungsvoll, aber sind ausschliesslich für plötzlich auftretende sehr starke Schmerzen geeignet.


Wenn ein/e PatientIn, die/r längere Zeit unter Schmerzen gelitten hat (was nicht vorkommen sollte), eine gute Dosis von Schmerzmitteln erhält, schläft sie/er möglicherweise in den ersten Tagen. Das ist nicht zwangsläufig ein Zeichen für Überdosierung. Wahrscheinlich ist di/er PatientIn durch die lang anhaltende Krankheit erschöpft, und braucht Ruhe.


Oft muss mit dem Fortschreiten der Krankheit die Schmerzmitteldosis erhöht werden. Das soll ohne Bedenken und Zögern erfolgen.


Sucht und Abhängigkeit 

Die Gefahr von Sucht und Abhängigkeit ist erfahrungsgemäss bei schwerkranken Patienten klein.

Nebenwirkungen wie Übelkeit, Obstipation etc. werden bereits zu Beginn der Therapie medikamentös berücksichtigt.


Die hier beschriebene Schmerztherapie ist in der Schweiz anerkannt. Sie muss vom Arzt verordnet und durchgeführt werden. Bitte besprechen Sie dies mit Ihrem Hausarzt. 

Weitere Informationen:  

Krebsliga Schweiz: www.swisscancer.ch

Palliative.ch: www.palliative.ch

Für chronische Schmerzen wende man sich an die Vereinigung Schweizerischer Schmerzpatienten VSP: www.schmerzpatienten.ch

Dr. med. Martin Eisner, Ob dem Hügliacker 85, CH-4102 Binningen,
Tel. +41 (61) 421 85 33, E-Mail: martin.eisner@gmx.net, 200
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