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Die erste Vorstandsvorsitzende unserer Arbeitsgemeinschaft, die Schweizer Psychiaterin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross, wurde weltweit bekannt mit Publikationen über ihren Forschungsbereich wie «Interviews mit Sterbenden» und ihre Erfahrungsberichte über Nahtod-Erlebnisse.

 

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Die Drillinge Elisabeth, Eva, Erika

Elisabeth Kübler-Ross wurde am 8. Juli 1926 als eine von drei Drillingsschwestern geboren und wuchs in Meilen in der Nähe von Zürich auf.

 


 

 

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Nach dem Krieg studierte sie Medizin und arbeitete kurze Zeit als Landärztin in der Schweiz. Nach ihrer Heirat mit dem US-amerikanischen Arzt Emanuel Ross ging sie in die USA und begann dort 1958 ihre Fachausbildung für Psychiatrie. 1965 übernahm sie eine Professur an der Universität von Chicago. 1969 erschien ihr erstes Buch «Interviews mit Sterbenden», das sie weltweit berühmt machte. Damit brach sie mit dem Tabu des Todes und begann öffentlich zu lehren, dass das Sterben als einen wesentlichen Teil des Lebens aufzufassen sei. Die Hospizbewegung, Sterbebegleitung und Selbsthilfegruppen für Trauernde gehen auf ihre Initiative zurück.

 

 

 

1995 erlitt Elisabeth Kübler-Ross einen Schlaganfall, von dem sie sich nicht mehr erholte. Nach weiteren Schlaganfällen blieb sie an den Rollstuhl gefesselt. Sie starb am 24. August 2004 in Scottsdale, Arizona.

 

Bis zur Erscheinung des Bestsellers von Elisabeth Kübler-Ross «Interview mit Sterbenden» war der Tod ausschliesslich eine Domäne der Geistlichkeit. Die Ärzte waren am Leben interessiert. Doch Elisabeth Kübler-Ross wagte es, Sterbende zu fragen, was und woran sie dachten und welche Gefühle sie angesichts ihres bevorstehenden Todes hegten. Mit ihrer Erkenntnis bei über 2000 todkranken Patienten löste sie eine wahre Revolution aus. Die Sterbenden, so beschrieb sie in ihrem oben erwähnten Buch, durchliefen 5 bestimmte Stadien, die wie folgt zusammengefasst werden:

Die fünf Stadien, auf die hier Bezug genommen wird, sind die «Stadien des Sterbens», die Dr. Kübler-Ross in ihrem Buch «Interviews mit Sterbenden» formuliert und detailliert beschrieben hat. Sie können etwa folgendermassen kurz zusammengefasst werden:

  1. Nicht-wahrhaben-wollen und Isolierung: «Nein, ich nicht.» Das ist eine typische Reaktion, wenn der Patient erfährt, dass er oder sie tödlich krank ist. Verweigerung, so sagt Dr. Kübler- Ross, ist wichtig und notwendig. Dieses Stadium trägt dazu bei, für das Bewusstsein des Patienten die Erkenntnis zu lindern, dass der Tod unvermeidlich ist.
  2. Zorn und Ärger: «Warum ich?» Die Tatsache, dass andere gesund sind und am Leben bleiben, während er oder sie sterben muss, stösst den Patienten ab. Gott ist ein besonderes Ziel für diesen Zorn, da er als derjenige angesehen wird, der nach Gutdünken das Todesurteil verhängt. Als Antwort für jene, die über die Behauptung schockiert sind, dass solcher Zorn nicht nur erlaubt. sondern unvermeidlich sei, sagt Dr. Kübler-Ross bündig: «Gott kann das aushalten.»
  3. Verhandeln: «Ja, ich, aber.» Die Patienten akzeptieren die Tatsache des Todes, aber versuchen, über mehr Zeit zu verhandeln. Meistens verhandeln sie mit Gott – «sogar jene Menschen, die niemals zuvor mit Gott gesprochen haben.» Sie versprechen, gut zu sein oder im Tausch für noch eine Woche oder einen Monat oder ein Jahr des Lebens etwas zu tun. Dr. Kübler-Ross bemerkt: «Was sie versprechen, ist total irrelevant, weil sie ihre Versprechen ohnehin nicht halten.»
  4. Depression: «Ja, ich.» Anfangs trauert die Person um zurückliegende Verluste, Dinge, die sie nicht getan hat, Fehler, die sie begangen hat. Aber dann tritt er oder sie in ein Stadium der «vorbereitenden Trauer» ein und bereitet sich auf die Ankunft des Todes vor. Der Patient wird in der Stille reifer und möchte keine Besucher. «Wenn ein sterbender Patient niemand mehr sehen möchte», so sagt Dr. Kübler-Ross, «dann ist das ein Zeichen dafür, dass er seine nicht beendete Beziehung zu dir beendet hat, und das ist ein Segen. Er kann nun in Frieden die Dinge gehen lassen.»
  5. Zustimmung: «Meine Zeit wird nun sehr kurz, und das ist in Ordnung so.» Die Autorin beschreibt dieses endgültige Stadium als «nicht ein glückliches Stadium. aber auch kein unglückliches. Es ist ohne Gefühle, aber es ist keine Resignation, es ist vielmehr ein Sieg.»

Diese Stadien bieten einen sehr nützlichen Wegweiser, um die verschiedenen Phasen, die ein sterbender Patient durchlaufen kann, zu verstehen. Sie sind nicht absolut; nicht jeder geht durch jedes Stadium in dieser exakten Folge und mit vorhersehbarer Geschwindigkeit. Aber dieses Paradigma kann, wenn es in einer flexiblen und Einsicht hervorbringenden Weise benutzt wird, ein wertvolles Werkzeug beim Verständnis dessen sein, warum ein Patient sich so verhält, wie er es tut.

«Diese Einsichten in die Sterbestadien haben zweifellos vielen Ärzten und Ärztinnen, Pflegern und Schwestern, aber auch vielen Angehörigen geholfen, nicht nur geistig hilflos und verlegen dem Sterben eines Menschen zuzusehen, sondern es in menschlicher Anteilnahme, eingestimmt in die wechselnden Stimmungen eines Todkranken, zu begleiten, damit es so auch in der zwischenmenschlichen Dimension ein menschenwürdiges Sterben sei.

Dabei scheint mir eine der wichtigsten Einsichten von Kübler-Ross zu sein, dass der Kranke sehr oft selber aufgrund uns unbekannter psychisch-physischer Signale die Ankunft des Todes spürt und dass man ihm das Abschiednehmen nur erschwert, wenn man ihm gut meinend das Sterben auszureden versucht. Vielleicht ist dies mit ein Grund, weswegen manche Todkranke ihren inneren Zustand eher der Krankenschwester eröffnen als ihren möglicherweise protestierenden und lamentierenden Verwandten, ja, weswegen einzelne Sterbende sogar allein zu sterben wünschen oder gerade dann sterben, wenn Angehörige kurz das Zimmer verlassen.»

Auszug aus dem Buch «Menschenwürdig Sterben» von Walter Jens und Hans Küng (S.24)

Übrigens…