Luise Thut, Pionierin der Hospizbewegung in der Schweiz

Luise Thut aus Zufikon wurde am 28. Februar 1928 in München geboren, wuchs in Amerika auf und ist seit 1965 in der Schweiz verheiratet.

Als Luise eine amerikanische Freundin durch eine schwere Krebserkrankung begleitete und sie in den USA in einem Hospiz besuchte, wo sie ambulant und stationär behandelt wurde, war sie beeindruckt von der fröhlichen und liebevollen Atmosphäre des Hauses. Dies brachte sie auf die Idee, auch in der Schweiz, in ihrem Heimatkanton Aargau, ein Hospiz zu gründen.

Weil es in der Schweiz noch keine entsprechende Ausbildung gab, erwarb sie im Ausland den Titel Certified Hospice Trainer, der sie berechtigt, ein Hospiz zu führen und Mitarbeitende auszubilden.

Nachdem Elisabeth Kübler-Ross und auch Cicely Saunders sie zur Durchführung ihrer Idee ermuntert hatten, gründete sie zusammen mit Bekannten 1994 den Aargauer Hospiz-Verein zur Begleitung Schwerkranker, dessen Ehrenpräsidentin Elisabeth Kübler-Ross wurde.

1998 rief sie zur Mittelbeschaffung dieLuise-Thut-Stiftung ins Leben, die es ermöglichte, 2005 das «Hospiz an der Reuss», das erste stationäre Hospiz im Aargau, mit vier Betten zu eröffnen. Das «Hospiz an der Reuss» befand sich in den Räumen des ehemaligen Klosters Gnadenthal in Niederwil.

2010 zog das stationäre Hospiz nach Brugg in den dritten Stock des ehemaligen Spitals um. Die Luise-Thut-Stiftung finanzierte den notwendigen Umbau. Das Hospiz konnte jetzt sechs Sterbende aufnehmen. Im Dezember 2014 wurde das Hospiz Stationär Palliative Care um drei Betten erweitert. Es stehen nun neun Zimmer zur Verfügung.

2015 veröffentlichte Luise Thut «Ein Haus fürs Leben – Die Schweizer Hospiz-Pionierin Luise Thut und ihre Wegbegleiter» (ISBN 978-3-941251-87-8, der Erlös des Buches kommt dem Aargauer Hospizverein zugute). Das Buch beschreibt Luises eindrucksvollen, beharrlichen Weg und die Krönung eines ihrer grossen Lebensziele: ein stationäres Hospiz in der Schweiz aufzubauen und zu eröffnen.

Die Schweizer Journalistin, Fernsehmoderatorin und Publizistin Klara Obermüller schreibt dazu unter anderem: «Gesellschaftliche Veränderungen geschehen nicht von alleine. Es braucht Menschen, die sie anstossen und vorantreiben: Menschen, die beharrlich und unbeirrt ihren Weg gehen, Menschen wie Luise Thut. Luise Thut ist es zu verdanken, dass der Hospiz-Gedanke in der Schweiz Eingang gefunden hat. Ihr Verdienst ist es, dass Sterben auch hierzulande nicht mehr nur als Ende des Lebens, sondern als Teil des Lebens begriffen wird. […]
Es bedurfte der Anregung Einzelner wie Cicely Saunders in England, Elisabeth Kübler-Ross in Amerika oder eben Luise Thut in der Schweiz, damit die Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber Schwerkranken und Sterbenden sich änderte. Es bedurfte des Einsatzes Vieler, damit die Ideen dieser Pionierinnen in die Praxis umgesetzt werden konnten.»